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Philipp-LoewenfeldDer Münchner jüdische Rechtsanwalt Philipp Loewenfeld schrieb mit zwei weiteren Anwälten 1918 im Auftrag von Kurt Eisner die erste bayrische demokratische Verfassung.

In seinen Erinnerungen beschreibt er sein Aufwachsen in München als Sohn eines Anwalts und „Honorar“-Professor: Damals konnte ein Jude nicht ordentlicher Professor werden, auch, wenn er noch so renommiert und wissenschaftlich anerkannt war,

im Wilhelmsgymnasium waren mit ihm die adeligen arroganten königlichen „Eselknaben“ in bunten Uniformen, und in der militärischen Schinderei der Grundausbildung waren Mitschüler plötzlich was „Besseres“.

An Eisners Ankündigung der Revolution am 7. November 1918 glaubt er nicht, am 20. Okt. ist er als königlicher Militär auch noch nicht bereit, in einer Räte-Regierung eine Aufgabe zu übernehmen, im Auftrag seiner Militärverwaltung ist er während der Revolutionstage noch in Tirol.

Bild aus dem Frontispiz im unten angegebenen Buch:
de.wikipedia …Philipp_Loewenfeld                            – – – –  NOCH BAUSTELLE !  –  –  –  –  –   Quelle:

recht-und-politikRecht und Politik in Bayern zwischen Prinzregentenzeit und Nationalsozialismus –
Die Erinnerungen von Philipp Loewenfeld

[Münchner Universitätsschriften – Juristische Fakultät – Abhandlungen zur Rechtswissenschaftlichen Grundlagenforschung – Band 91 – Herausgegeben von Peter Landau, Dieter Nörr, Bernd Schünemann] Peter Landau / Rolf Rieß Hg. 2004 Ebelsbach

Empfehlung in der Landeszentrale für politische Bildung:

Recht und Politik in Bayern zwischen Prinzregentenzeit und Nationalsozialismus Artikel-Nr.: 05300534  – kostet 8,00 €
Im Bestellportal finden Sie alle Publikationen der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, die Räume sind jetzt auf der Praterinsel 2.

Vom etwas langweilig wirkenden Titel nicht abschrecken lassen:

Die Erinnerungen von Philipp Loewenfeld, Verfasser der ersten Verfassung des Freistaat Bayern im Auftrag Kurt Eisners, in gut 700 Seiten mit Kommentaren und weiteren Quellen versehen, lesen sich hervorragend und geben einen anschaulichen Blick auf das Leben des jüdischen Rechtsanwaltes und Honorarprofessor für Recht, der sich in der vor-Revolutionszeit schon zu sozialwissenschaftlichen Fragen organisierte.

Seine oft beißenden Beschreibungen, auch mitten aus dem politischen Geschehen, und seine bitteren Erwägungen, der SPD beizutreten, klingen absolut aktuell, er kann die Rolle und Sicht der Sozialdemokratie in jenen und heutigen Jahren reflektieren helfen …

Die Vorgeschichte beginnt tatsächlich in der Prinzregentenzeit,

in der Ludwig Thoma als junger Anwalt in  der Kanzlei seines Vaters arbeitete, geht ausführlich auf die Diskriminierung als jüdischer Soldat in der Militär-Ausbildung und an der Hochschule ein, mit Auseinandersetzungen zu den Schlagenden Verbindungen und einer Auseinandersetzung zur studentischen Wohnungsnot.

Loewenberg übernahm dann den Vorsitz im Sozialwissenschaftlichen Verein,

in dem Jujo Brentano 1909, mit einem Vortrag zu den Arbeiterwohnungsverhältnissen in München in der „Neuen Akademie“, einer Bierwirtschaft gegenüber der Universität, den Eröffnungsvortrag hielt, zu der auch Prinz Ludwig, der spätere Ludwig III. kam und sich am Vorstandstisch über die erste studierende Frau seines Lebens wunderte und anschließend vergaß, sein Bier zu bezahlen.

Ludwig_Joseph_Brentano wikimedia

Ludwig_Joseph_Brentano

Fechenbach-Frau-Eisner

Fechenbach, Eisners Sekretär, seine Frau und Kurt Eisner bei einer Demonstration

Die Erinnerungen von Philipp Loewenfeld, Verfasser der ersten Verfassung des Freistaat Bayern im Auftrag Kurt Eisners, in gut 700 Seiten mit Kommentaren und weiteren Quellen versehen, lesen sich hervorragend und geben einen anschaulichen Blick auf das Leben des jüdischen Rechtsanwaltes und Honorarprofessor für Recht, der sich in der vor-Revolutionszeit schon zu sozialwissenschaftlichen Fragen organisierte.

Seine oft beißenden Beschreibungen, auch mitten aus dem politischen Geschehen, und seine bitteren Erwägungen, der SPD beizutreten, klingen absolut aktuell, er kann die Rolle und Sicht der Sozialdemokratie in jenen und heutigen Jahren reflektieren helfen …

Der Beitritt zur SPD ist schon eine Abrechnung / Entschuldigung / Kritik

Auf mehreren Seiten geht er – nach den grundlegenden Erwägung, auch seines Vaters, als Anwalt eigentlich nicht einer Partei angehören zu wollen, auf die Situation ein: S. 110

Aber auch an der Einstellung der Sozialdemokraten, die in der damaligen deutschen Politik die äußerste Linke darstellten, stieß mich Vieles ab. Die Partei war noch von den alten radikalen Parolen revolutionärer Art beherrscht, wie sie in ihrer Entwicklungszeit sozusagen klassisch geworden waren, und sie von alt gewordenen Führern, wie Bebel und Singer, und jüngeren hinzugekommenen marxistischen Theoretikern mit einem wahrhaft konservativen Revolutionarismus gepflegt wurden.

Innerlich hatte die Partei trotz aller radikalen Gesten längst ihren Frieden oder wenigstens ihren Waffenstillstand mit der Gegenwartsordnung gemacht und dachte nicht ernstlich daran, die kapitalistische Ordnung oder den monarchistischen Staat umzustürzen.

Unter dem Einfluss der rapid wachsenden Gewerkschaftsbewegung, deren Interesse nicht der Verwirklichung eines Zukunftsstaates, sondern der Hebung der Lage der Arbeiterklasse im Gegenwartsstaat gehörte (…) hatte sich die sogenannte revisionistische Bewegung in der Partei, die ihr Ziel nicht in der Revolution, sondern in der Evolution sah ….

 

Felix FechenbachFelix Fechenbach sollte in der Zeit nach der Revolution als Überlebender mitten aus dem Geschehen büßen, und ein Schand-Urteil der Münchner Justiz wurde auf allen Ebenen der Reichs-Justiz kritisiert, aber eisern durchgesetzt: Die Ordnungszelle Bayern gebiert die faschistische Gesinnungs-Justiz, die bis heute wirkt.