Schon in der Vorbereitung der documenta14 gab es eine Erwähnung, als inspirierende Geister benannt wurden:

dokumenta14 in Griechenland und Kassel

Für uns ein schönes Gedenken, denn am 2. Mai jährt sich der Todestag von Paulo Freire zum 20. mal, der von Augusto Boal zum achten mal. In der internationalen Wahrnehmung sind sie bei den Studierenden und im Schauspiel weit präsenter als in der deutschen, zur Literatur-Lesung zurück-gekehrten Pädagogik und  Theater-Landschaft.

Wir können natürlich die Innovation den südamerikanischen Ländern überlassen, die mit der Kritischen Theorie weit klarer leben, als unsere „ewigen“ Marxisten, die auf Lenins Werken rumdiskutieren, statt die internationalen Bewegungen zu begleiten und zu studieren.

Augusto Boal in der Reihe der VisionäreAugusto Boal im Rathaus München

Artikel siehe auch unten

Im Editorial der documenta14

Entscheidend in der Vorbereitung der öffentlichen und pädagogischen Programme der documenta 14 waren antiautoritäre, disziplinenübergreifende Ansätze. Ein gutes Beispiel dafür ist der polnische Architekt, Stadtplaner, Künstler und Lehrer Oskar Hansen (1922–2005).

Sein Arbeitsweise der „offenen Form“ eröffnete einen Weg, in dialektischer Auseinandersetzung mit der menschlichen und nichtmenschlichen Umwelt Kunst zu machen und Häuser zu bauen. Darüber hinaus ist die offene Form eine Übung zum Überwinden der eigenen Subjektivität in der Bezugnahme auf andere.

Bei unseren Recherchen sind wir auch auf das mächtige Werk – mächtig, wie es nur die vermeintlich Ohnmächtigen hervorbringen können – des brasilianischen Theatermachers Augusto Boal (1931–2009) zurückgekommen, unter anderem auf sein Theater der Unterdrückten und seine Vorschläge zur Entschulung der Gesellschaft.

Viel gelesen und gelernt haben wir außerdem vom mexikanischen Dichter und Künstler Ulises Carrión (1941–1989): über Strategien des Umgehens und Auslassens, über die Bedeutung des „guten Benehmens“ beim kritischen Einsatz von „Geschwätz und Skandal“ und über poetische Strenge als ein Mittel zur Entfremdung des Vertrauten. www.documenta14.de/de/south/886_editorial

Paulo Freire und die Pädagogik der Unterdrückten

ging weiter, durch Kulturen, Alfabetisierung, gemeinschaftliches Forschen, Arbeit in der UNESCO und Bücher wie die Pädagogik der Hoffnung, seine Wirkung in die Befreiungstheologie und in die pädagogische Arbeit vieler Länder wird dort regelmäßig gewürdigt.

http://fritz-letsch.wikispaces.com/Paulo Freire

http://fritz-letsch.wikispaces.com/Paulo Freire

Augusto Boal und das Theater der Unterdrückten

schloss seine Arbeit und sein Leben mit einer „Ästhetik der Unterdrückten“ ab, nach dem er das Legislative Theater als politische Methode und vorher den Regenbogen der Wünsche als psychologische Wahrnehmung und Ausbildung definiert hatte.

 

Augusto Boal in der Reihe der Visionäre

 

Boalbuch griechisch
Boalbuch griechisch

Titelbild der griechische Ausgabe des Theater der Unterdrückten, in Thessaloniki erschienen ..

Die Documenta 2017 soll im April in Griechenland und im Juni in Kassel eröffnet werden. Die Vorbereitungen klingen spannend:

Für die documenta 14 im Jahr 2017

gibt es eine Reihe von Visionären, die in die Interaktion des Publikums gebracht werden sollen. In der Schweiz wird schon dazu berichtet, hat wer was in Deutschland dazu gelesen?
http://blog.tagesanzeiger.ch/privateview/index.php/36511/**stolpernd-und-irrend**/#comment-130212
…. am Ende des Artikels, der auch den polnisch-stämmigen Kurator Adam Szymczyks etwas portraitiert: …

  • Und hier noch eine kleine Liste mit Namen der Cicerones, also der Figuren, die uns durch diese Documenta führen werden. Wie sagte es Szymczyk so schön? «These and other figures help us to navigate the darkness and complexity of experience we are immersed in as we move on, stumbling and erring.» (Diese Figuren helfen uns, die komplexe Dunkelheit unserer Erfahrung zu durchqueren, wenn wir uns, stolpernd und irrend, vorwärtsbewegen …)
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Szymczyks Visionäre: (obere Reihe von l.) Schweizer Architekt Lucius Burckhardt, griechischer Komponist Jani Christou, deutscher Schriftsteller Viktor Klemperer, (untere Reihe von links) brasilianischer Theatermacher Augusto Boal, mexikanischer Dichter Ulises Carrion, polnischer Architekt Oskar Hansen
(Bildernachweis: SRF, Pemptousia, «Tagesspiegel», Haikudeck, «Bombmagazine», Ciolek/Fotonowa)“


Erstaunlich, dass die deutsche Presse bisher anscheinend dazu schweigt, und ich fürchte, dass als nächstes die dümmlichen Bemerkungen zu Griechenland kommen, denn die Banken-Rettung und die Co-Finanzierung der Militär-Ausstattung wurde hierzulande als „Zuschuss“ verkauft, und dass es eine lebendige Kunst-Szene dort gibt, passt leider nicht in unsere hiesige Helfer-Rolle.

Die Reihe der Visionäre kann sehr spannend werden … und uns etwas weiter denken lassen, als das derzeitige Rückwärts.
Der Völkerbund und die Grundlagen der Menschenrechte machen mir Hoffnung!

Augusto wäre absolut glücklich darüber, wie auch über die griechische Übersetzung seines Buches, denn „die Griechen“ wie Aischylos waren auch seine Unterstützer im Kampf gegen die Militärdiktatur in Brasilien: „Bringen Sie mir diesen Aischylos, dann bringen wir ihm bei, was in Brasilien geschrieben werden kann!“ sagte man ihm in der Zensurbehörde …

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