Friedl Brehm hatte einen ganz besonderen Verlag in FeldafingFriedl-Brehm-1917-83

Eine  Stele in Tutzing erinnert an ihn und seine Bücher und Hasen?

erinnert uns auch an Gustl Angstmann und Gerd Wolter

Friedl Brehm Stele Tutzing: von 1917-83,
bayrische Mundart ist in München jetzt selten geworden, auch wenn die #CSU eine Prinzregenten-Zeit in den Wahlkampf bringt: Sie haben’s auf der Landesebene verschissen, ich hatte in einer Lehrprobe eine 4 wg. „Umgangssprache“.

„Friedl Brehm war in jeder Hinsicht eine singuläre Erscheinung. Mit seinem schulterlangen weißen Haar, dem Peace-Zeichen vor der Brust, immer mit Bluejeans und Holzpantoffeln unterwegs, …

Friedl Brehm

auf arabellabuch.de/V-Friedl-Brehm

„Friedel Karl Brehm wurde am 21.Mai 1917 geboren, „mit tagelanger Verspätung haarscharf zur offiziellen Besuchszeit und dazu mit acht Jahren Abstand als zweiter Sprößling bayerischer Eltern – so gleich mit der bayerischen Staatsangehörigkeit versehen – zu Duisburg im damals noch kaiserlichen und königlich preußischen Kohlenpott, wo ich bis zum Abitur aushalten mußte.“ (Friedl Brehm).

Diese Geburtsurkundeneintragung „Duisburg“ wurde ihm immer wieder unter die Nase gerieben: Typisch, ein „Preiß“ muß sich als Förderer und Bewahrer bayerischer Eigenarten aufspielen. Dieser ironische Unterton begeht einen zweifachen Fehler: Erstens: Wenn man sich schon, wie auch im Falle Brehms geschehen, mokant darüber äußert, daß erst einer aus Duisburg kommen muß, um die bayerische Mundart literarisch wieder aufzuwerten, dann sollte man sich weniger über die „Einmischung von außen“ pikieren als über die „stammeseigenene Unterlassungssünden“. Und zweitens urteilt man in den meisten Fällen voreilig. Friedl Brehm stammte aus einer alten, traditionsreichen Würzburger Familie, beide Großväter waren königlich-bayerische Hoflieferanten.

Friedl-Brehm-1917-83Nein er war eher ein Entwurzelter, der in einem – vom Herkommen seiner Eltern – fremden Sprachraum aufwuchs, wo er nie richtig Fuß faßte. Er wurde zwar stets als Bayer gehänselt, hatte aber nie diesen verräterischen fränkischen Zungenschlag. Ich könnte mir sogar denken, daß dies in einem solchen Elternhaus verpönt war. Jedenfalls muß er unter dieser sprachlichen Heimatlosigkeit gelitten haben. Deshalb auch das lebenslange Bemühen um die verlorene Muttersprache. Viel später noch, im Rückblick auf 25 Jahre Friedl Brehm Verlag, erklärte er:

Daß eine wesentliche Komponente die Publikationen in bairischer Sprache sind, ist eine klare Reaktion auf mein Kindheitserlebnis: ohne eigene Sprache, in einem fremden Sprachraum aufgewachsen, in der Schule immer als „Bayer“ oder „Ausländer“ bezeichnet, mußte sich so etwas in einem Charakter wie mir ausprägen.

Verschlagen hatte es ihn deshalb in dieses „Exil“, weil der Vater, Hans Brehm, Diplomingenieur, Direktor der Hütte „Gute Hoffnung“ in Duisburg-Walsum wurde.“ weiterlesen zu Friedl-Brehm

Gustl Angstmann

Gustl Angstmann wuchs im Münchner Stadtteil Haidhausen auf und schloss 1964 nach der Hauptschule eine Facharbeiterausbildung als Schlosser ab. 1966 trat er als Novize in ein Kloster ein, das er nach einem Jahr wieder verließ. Er holte das Abitur am Abendgymnasium Mainz nach und studierte anschließend von 1971 bis 1978 Pädagogik, Psychologie und Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München; Promotion 1978. In der Folge war er als Schriftsteller, Psychotherapeut in freier Praxis sowie als Autor von Fachbüchern tätig. 1985 erhielt er den Puchheimer Leserpreis.

gustls refugium in talla

Zeitweise lebte er, vor allem, um ungestört zu schreiben, in seinem bescheidenen Refugium bei Talla in der Toscana, wo er gelegentlich auch Gästen Aufenthalt bot.

Gustl Angstmann starb am 1. Januar 1998 an den Folgen von AIDS im Schwabinger Krankenhaus.

Gustl Angstmann war einer der ersten bekennenden schwulen Autoren in München. In seiner Geschichtensammlung Ein ganz normaler Mann 1982 hat er seine schwule Biographie in den 1970er und beginnenden 1980er Jahren verarbeitet. Auch die folgenden Romane haben einen autobiographischen Hintergrund, sind jedoch, worauf der Autor immer großen Wert legte, Literatur und damit Fiktion. Jeder der Romane behandelt ein Grundthema des Autors.

Außerdem veröffentlichte Angstmann mehrere Fachbücher zu Selbsthilfethemen.

Das Refugium bei Talla, Toscana – er bewohnte die Südseite

Das Werk im Überblick: Belletristik

  • Ein ganz normaler Mann. Geschichten (Verlag Friedl Brehm 1982)
  • Der Stotterer. Kurzroman (Verlag Rosa Winkel 1983)
  • HerzSchläge. Roman (Verlag rosa Winkel 1987)
  • Novizen. Roman (Verlag rosa Winkel 1994)
  • Bei Liebe Mord. Krimi (Verlag rosa Winkel 1997)

Fachliteratur

  • Abschiednehmen will gelernt sein. Chancen zum Neubeginn (Herder, Freiburg 1988)
  • Schreiben hilft leben. Wege zur Selbstentfaltung (Herder, Freiburg 1989)

regelmäßige Kolumnen

  • Als „Grantler“ kommentierte er in Münchener schwulen Zeitschriften die aktuelle Situation.

Das Forum Queeres Archiv München bewahrt seinen schriftstellerischen Nachlass und veranstaltet zu seinem Gedenken alljährlich zum Jahresanfang eine Lesung mit jungen homosexuellen Literaten aus München und dem Umkreis.

Gerd Wolter, Autor und Schauspieler, Stadtrat

Es gab einen literarischen Kreis im VSG eV, der sich auch einmal in meiner Wohnung traf, zu dem auch Gerd gehörte:Friedl-Brehm-1917-83

Gerd Wolter lebte seit 1964 in München und gründete dort 1972 ein Kinder- und Jugendtheater. Später spielte er in zahlreichen Stücken der lebendigen Off-Szene in München, machte Agentur- und Pressearbeit für KollegInnen und das „Theater rechts der Isar“ und den Einlass der Gastspiele im „Links der Isar“.

Von 1984 bis 1990 saß Wolter für die Grünen im Münchener Stadtrat und war Deutschlands erster offen schwul auftretender Kommunalpolitiker in einem Stadtrat. Er war zuständig für Kultur, Schwule und Lesben und war auch Theaterbeirat der Landeshauptstadt München. Wolter setzte sich besonders für Behinderte ein.

Gerd Wolter war Initiator und Mitbegründer der Rosa Liste in München. Er war 1978 Gründer und Herausgeber der alternativen Zeitschrift Fliegenpilz und ab 2003 Herausgeber des Onlineportals gayfliegenpilz.de für Homo-, Bi- und Transsexuelle.

Hier kommt noch mehr in Richtung Nachruf rein … für das Forum Queeres Archiv München

Anfangs-Notizen fritz.letsch/portfolio/407170

Spätwirkungen des §175

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