Die Wirkungen des „Homosexuellen-Paragrafen“ §175 gehen in den meisten Menschen bis heute, auch wenn Leute wie #AKK es selbst gar nicht bemerken.

Diskriminierung sitzt bei den Betroffenen tief, und die Verletzbarkeit bringt oft ungeahnte Reaktionen, vor allem, wenn eine vermeintliche Politikerin „von Welt“ in der Bütt daneben greift: Abweichende Sexualitäten wurden noch vor ein paar Jahren von Leuten mit der Einstellung der Kramp-Karrenbauer und der AfD verfolgt.

Erich Haas und Gerd Wolter

– gegensätzlich kann man es sich kaum ausdenken: Zwei Abschiede

Gerd Wolter am Westfriedhof Di 19.3. um 9.45

Erich Haas Nordfriedhof Mo 25.3. um 9.45,

jeweils Aussegnungshalle

zu beiden liegen etliche Materialien ihres Lebens im Forum Queerer Geschichte München www.forummuenchen.org

In der Gegensprechanlage am Mi 6.3.2019 um 21h werde ich mich mit Bernhard dazu in www.lora924.de unterhalten …

Erich Haas, *19.7.1919
Der Anwalts-Sohn aus gutbürgerlicher Siebenbürger-Familie, die mit dem Landesbischof verkehrte und eine ungarisch-sprachige Köchin hatte …

… später Übersetzer in der deutschen Botschaft, mit der Flucht vor den Russen nach Oberbayern, Flüchtlings-Bauernknecht, bis der Vater wieder eine Zulassung hatte, dann Hotelier gelernt:

Mitarbeit am Wieder-Aufbau des Hotels und Empfangsschef im Bayrischen Hof, mit allen edlen Gästen des Hauses, zwischen Bundespräsidenten im Lift und Farah Diba in der Hotel-Halle, Asbach und Henkell und schwulem Leben …

lernte seinen Freund Klaus 1946 vor einem Kinoplakat am Stachus kennen, nach dem ihm ein ungarischer Arzt gesagt hatte, er solle sich einen Freund suchen und glücklich werden, weil er ihn nicht von dieser „Krankheit“ heilen könne.

1988 musste er ihn dann verabschieden, mit einer verständnisvollen Ärztin, nach Lungenkrebs, und erst in seinen späten Jahren wurde er politisch aktiv: Mit den Schwulen Managern, gegenüber der Justizministerin, im Forum Homosexualität und Geschichte, bis wir anfingen, sein reichhaltiges Leben mit ihm durchzusprechen.

Ein Anfang dazu war ein biografisches Erzähl-Cafe, durch die Lebensgeschichte zu springen, in seiner siebenbürgischen Redeweise, seine Hotel-Karriere nach zu zeichnen, die ihn durch viele Länder brachte, auch in den Knast statt in die Schweiz …


dagegen der Frankfurter Autor Gerd Wolter, *14.2.1942 in Braunschweig, sein Buch „Mann oh Mann“ oder „Männerbeschreibungen“, ab 1964 in München, machte Kinder- und Jugend-Theater, eine Zeitschrift Fliegenpilz, schrieb Beiträge zu „Mein heimliches Auge“, betrieb ein Pressebüro für SchauspielerInnen und Theaterarbeit und Dramaturgie, …

erster offen schwuler Stadtrat der ersten Fraktion der Grünen im Münchner Rathaus, resident an Theaterfestivals und als „Klofrau von der Au“ im Ableger des Theater rechts der Isar auf dem linken Ufer …

a lollipop heart-shapped over a rainbow flag painted

Legendär seine Jour Fixes in der Wohnung mit einer wilden Mischung aus Freien Theatern, Kulturreferat-Mitarbeitenden, Grünen und schwuler Szene,

dann vor fast 30 Jahren die Gründung der „Rosa Liste“, die seit vielen Jahren als einzige schwul-lesbische Wählervereinigung mit den Bündnis-Grünen in der Fraktion im Rathaus sitzt …

und noch eine Website, die als Fragment existiert:

http://www.forumgaybrunch.de/t306f2-Die-Geschichte-des-GAYFLIEGENPILZ-Eine-Geschichte-ueber-Jahre-von-Gerd-Wolter.html

Wie dort im Forum bei den Mitteilungen zu finden ist, hätte Kramp-Karrenbauer bei ihm noch viel lernen können:

Die Entstehung der Bewegungen der Trans-Männer und -Frauen, der Behinderten, die als Krüppel-Bewegung aus der Fürsorge ausbrachen, und heute wäre das Thema der Intersexuellen, weder medizinisches Objekt noch Karnevals-Scherz zu sein, für sie eine Lehre:

Alter Katholizismus ist nicht zukunftsfähig. So lange nicht alle für Vertuschungen verantwortlichen Bischöfe uund Kardinäle zurücktreten …



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