Kurt EisnerNach der friedlichen Revolution und Ausrufung des Freistaates ein Mord in der Stadt, auf dem Weg zum Landtag, der Ministerpräsident ermordet durch einen verhetzten jungen adeligen katholischen Leutnant, der eine „Tat“ setzen wollte.

Gedenken seit Jahren

Eisner ermordet - GedenkenZuerst gab es ja nur eine Bodenplatte an der Straßenbahnschiene, dann ein unsichtbares Denkmal …

Das andere Bayern

gedenkt seit vielen Jahren dem ersten Bayrischen Ministerpräsidenten, mit dessen Erinnerung unsere Staatsregierung schon immer ein Problem hat.

Die Stadt München verlegte ihr Gedenken zum Oberanger vor der SPD-Zentrale, wo in Glastafeln „Jedes Menschenleben ist heilig“steht.

Die Beisetzung

„Der Leichnam Kurt Eisners wurde am 26. Februar 1919 in einem großen Trauerzug, an dem rund 100.000 Menschen beteiligt gewesen sein sollen, von der Theresienwiese zum Münchner Ostfriedhof überführt. Dort wurde in einem kleineren Kreis die Leiche eingeäschert und die Asche beigesetzt; Trauerreden hielten Hans Unterleitner und Hugo Haase (USPD), Max Levien (KPD) und Gustav Landauer.“

Aus der Ankündigung zum Film bei der Agentur Höffkes

Die Würdigungen

Gustav Landauer spricht bei der Beisetzung

Gustav Landauer 1892 ermordet 1919

Gustav Landauer 1892

„Neben Erich Mühsam ist der Humanist Gustav Landauer, Volksbeauftragter für Kultur und Erziehung, derjenige, dem die Baierische Räterepublik den Beinahmen „anarchistisch“ verdankt. Für Landauer war Revolution kein einmaliger gewaltsamer Akt, sondern ein permanenter Lernprozess, dessen Ergebnisse immer wieder aufs Neue hinterfragt werden mussten:

Sorge jede Generation tapfer und radikal für das, was ihrem Geist entspricht, es muss auch später noch Grund zu Revolutionen geben; und sie werden dann nötig, wenn neuer Geist sich gegen starr gewordene Residuen verflogenen Geistes wenden muss […]. Das brauchen wir wieder: eine Neuregelung und Umwälzung durch den Geist, der nicht Dinge und Einrichtungen endgültig festsetzen, sondern der sich selbst als permanent erklären wird. Die Revolution muss ein Zubehör unserer Gesellschaftsordnung, muss die Grundregel unserer Verfassung sein.

(Gustav Landauer: Aufruf zum Sozialismus. F. J. Marcan-Verlag, Köln 1925, S. 135-137)

Landauers Kulturpolitik stellte den Proletarier in den Mittelpunkt. Das Volk sollte geschult werden, auch in Kunst und Literatur. Es wurden öffentliche Büchereien geplant sowie die Gründung von neuen Museen. Nationaltheater sollten entstehen, die bei freiem Eintritt besucht werden konnten Das Prinzregententheater wurde zum „ersten wahren Theater des Volkes in Baiern“ umfunktioniert. Ein Aktionsausschuss Revolutionärer Künstler sollte neue Kunst und Literatur für das Volk begründen. Seine bekannteste Maßnahme war die Schließung der Akademie der Künste, als Bruch mit dem Alten. “ www.literaturportal-bayern.de

Heinrich Mann schreibt darüber

Proklamation Bayerische Republik

Hintergründe des Mordes waren

für den jungen katholischen Burschen, nach der langjährigen Kriegspropaganda gegen die Pazifisten,

der Hirtenbrief zum „Bethlehemitischen Kindermord“,

im Wahlkampf kurz nach Weihnachten 1918, den die neue Regierung an den Schulkindern begehen würde, wenn der Religionsunterricht nur noch als Wahlfach stattfinden würde, nach dem die Kirchen schon die Schulaufsicht verloren hatte:

Bis dahin waren die Pfarrer die Chefs der Lehrenden, und für die Frauen galt ein Zölibat: Wer heiratete, verlor den Beruf.

Kardinal Faulhaber hatte die Regierung Eisner mit Herodes gleich gesetzt,

die antisemitische Thule-Gesellschaft

in die der 21jährige Anton Arco nicht aufgenommen werden konnte, weder in den Geheimbund, noch in den öffentlicheren Kampfbund, dem auch Frauen angehörten, da dort die „Rassereinheit“ in drei Generationen nachgewiesen werden musste, und Arcos Mutter einer bekannten jüdischen Familie Oppenheimer entstammte.

eine Weihnachtsfeier mit Erhard Auer

(damals 44, SPD-Innenminister in der Regierung Eisner) von der auch Erich Mühsam später schrieb, der die Situation zu verstehen suchte:

Auer war bei den „Tumulten im Landtag, bei denen Erhard Auer von dem Linksradikalen Alois Lindner angeschossen und der Major Paul Ritter von Jahreiß (Referent im bayerischen Kriegsministerium) getötet wurde. Der konservative Abgeordnete Heinrich Osel starb ebenfalls an einer Schusswunde, die Täterschaft blieb jedoch in diesem Fall ungeklärt.“ wikipedia

 

die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht in Berlin

Karl Liebknecht spricht

Rosa Luxemburg (rechts) mit Clara Zetkin 1910 wikimedia

Rosa Luxemburg (rechts) mit Clara Zetkin 1910 wikimedia

„Wenige Tage nach der blutigen Niederschlagung des Januaraufstands verhafteten am 15. Januar 1919 in Berlin Freikorpssoldaten der Garde-Kavallerie-Schützen-Division die untergetauchten Führer des Spartakusbunds, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Sie verschleppten die beiden Köpfe der revolutionären Bewegung in das Hauptquartier des Freikorps im Hotel Eden und verhörten sie dort unter schweren Mißhandlungen. Anschließend erschossen sie Liebknecht im Tiergarten mit drei Schüssen aus nächster Nähe. Luxemburg wurde ebenfalls von ihren Bewachern heimtückisch ermordet. Ihre Leiche warfen sie in den Landwehrkanal, wo sie erst Ende Mai 1919 gefunden wurde.“ Lebendiges Museum online

 

 

 

Rosa Luxemburg-Beisetzung

 


wikipedia und weitere Quellen

http://www.raeterepublik.de/Revolution_in_Bayern_1918_und_1918.htm

Arco gehörte zum Umfeld der antisemitischen Thule-Gesellschaft. Aus dieser war er wegen der jüdischen Herkunft seiner Mutter ausgeschlossen worden.[1] Der englische Historiker Nicholas Goodrick-Clarke schreibt, dass er darüber „aufgebracht war und durch den Mord [an Kurt Eisner] seine nationale Gesinnung zeigen wollte“.[2]

„Eisner ist Bolschewist, er ist Jude, er ist kein Deutscher, er fühlt nicht deutsch, untergräbt jedes vaterländische Denken und Fühlen, ist ein Landesverräter.“– Anton Graf von Arco auf Valley[3]

Alternativ wurden ihm Verbindungen zu den Monarchisten zugeschrieben, die König Ludwig III. wieder einsetzen wollten. Er war auch Mitglied der Studentenverbindung K.B.St.V. Rhaetia München, die einen bayerischen Separatismus vertrat und nur katholische Bayern aufnahm.

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