wachtveitl vogelEin Bürgerpreis für Bürgerradio Lora München92,4 und Radio Z Nürnberg.

In den meisten Bundesländern und vielen Städten gibt es geförderte Bürgerradios.

In Bayern gehen die Sender anders.

Privat-Radios sollten den Amigos durch Werbung größere Einnahmen bringen. Fröhliches Gedudel und viel Gewinnspiele verzuckern den Weg zur Arbeit und in den Feierabend.

Heute wurde ich im Bayrischen Landtag von Profis einer Firma im Auftrag des Landtags interviewt, und die gute Frau wollte unbedingt wissen, warum ich mich ehrenamtlich engagiere.

Ich versuchte ihr zu erklären, dass wir ein Bürgerradio machen, aber sie wollte eine Antwort zum Thema Ehrenamt. Sie hatte zwar den Film zu Lora mit-produziert, aber … Bürger-Radio?

Nun ist mir klarer, da hierzulande kaum jemand das Konzept Bürgerradio aus den anderen Bundesländern kennt, und nicht deren Verfassungs-Auftrag, dass ich nicht verstanden werden konnte:

bürgerpreisIn den meisten anderen Bundesländern ist ein Bürgerradio als Initiative und Projekt von den Ländern gefördert oder sogar unterhalten, von der Stadt unterstützt und gewürdigt, während Bayern damals die Devise hatte, Privatradios sind ein Geschäft der Presse-Amigos und bringen durch Werbung auch noch Geld ein.

Als Feigenblatt bekamen Radio Z in Nürnberg und Radio Lora München 92,4 ein paar Stunden (in München) auf der gemeinsamen Frequenz mit einem konservativen Kirchensender, der die Hörenden mit Rosenkranz-Beten begrüßt und in Schlaf wiegt.

Radio Z Nürnberg 95,8 MhzDie Landesmedienzentrale schreibt dann noch ein paar Projekte aus, die als Zuckerl die Arbeit versüßen können, forderten aber für das Betreiben eine komplizierte Struktur von Bürgschaft, GmbH und Gesellschaft, die Kosten für Mieten und Übertragung haben aber die Hörenden über den Förderverein und Spenden selber zu tragen.

Bürger-Radio

Eine neue Initiative für mehr Bürgerradio-Förderung, eine Petition an den Landtag im vergangenen Jahr, wurde abgewiesen, und  jetzt bekamen wir – als Unterstützung oder zum Trost –  den Bayrischen Bürgerpreis 2016 (3. Klasse), als Ermutigung zu verstehen, nicht nachzulassen?

Bürgerradio MünchenDass im System des allgemeinen Neoliberalismus und Lohndumping die Ehrenamtlichkeit als Einstufung beim nachbarschaftlichen Dilettantismus oder als „gut gemeint“ zugeordnet wird, macht ein demokratisch denkendes Bürgerradio, bei dem Anliegen und Nachbarschaften, Ideen und Entwicklungen qualifiziert und präsentiert werden können, erst mal als professionell undenkbar.

Geld verdienen,

wachtveitl Bürger-Radiodas geht mit Werbung, mit verkaufen, oder öffentlich rechtlich? Ehrenamt, das ist die Feuerwehr in der Kleinstadt? Die Nachbarschaftshilfe und das Kirchenputzen, die Präsidentschaft und Vorstandschaft für die alten Herren?

Selbstorganisation und Selbsthilfe sprechen längst eine andere Sprache, aber die ist in den oberen Ebenen noch nicht angekommen. Wird Zeit, mehr über die anderen Bürgerradios zu berichten!

Es gäbe da als ersten Einstieg für Interessierte den Verband der Freien Radios, und eine Zukunftswerkstatt der Community-Radios www.lora924.de

Bürgerradio = Community Radio

„Schon im Jahr 2009 wurde vom Ministerkomitee des Europarats gefordert, die sogenannten Community Radios als dritte nichtkommerzielle Säule neben öffentlich-rechtlichen und privat-kommerziellen Medien als förderungswürdig anzuerkennen. Das wurde auch vom Europäischen Parlament bestätigt. Diese Forderung haben sich die nicht-kommerziellen Sender Radio Z in Nürnberg und Radio LORA München zu eigen gemacht. Vor allem auch deshalb, weil mit dieser Anerkennung eine Basisfinanzierung verbunden ist, auf die Community Radios wie Radio Z und Radio LORA München angewiesen sind.“

LORA wurde mit dem Bürgerpreis des bayer. Landtags geehrt und fordert eine Änderung des Mediengesetzes für Bürgerradios

Radio LORA München und Radio Z Nürnberg haben am 20.10.16 den 3. Preis des Bürgerpreises 2016 des Bayerischen Landtags überreicht bekommen. „Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung durch den Bayerischen Landtag und werden einen Großteil des Preisgeldes in die Erneuerung der zum Teil veralteten Technik und in die Aus- und Weiterbildung der ehrenamtlichen MitarbeiterInnen […]

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